Analfissur: akut oder chronisch – primär oder sekundär?

Der Einriss in der Analschleimhaut kann verschiedene Ursachen haben. Dabei wird in primäre und sekundäre Analfissuren unterteilt. Außerdem wird unterschieden, ob eine Analfissur akut oder chronisch ist. Damit du diese Begriffe besser unterscheiden kannst, schauen wir uns das Ganze einmal näher an.

Primäre und sekundäre Fissuren – was ist der Unterschied?

Der Unterschied liegt in der Ursache. Das ist vielleicht für dich zweitrangig – denn Schmerzen sind Schmerzen. Doch die Fachärzte, in dem Fall Proktologen, legen Wert auf diese Aufteilung. Und du möchtest vielleicht wissen, wovon die „Weißkittel“ reden:

  1. Primäre Analfissuren entstehen durch eine äußere Einwirkung. Dies kann beispielsweise ein heftiges Pressen beim Stuhlgang sein, das wiederum durch eine Verstopfung mit hartem Stuhl notwendig wird. Deshalb hacken wir ja auch immer wieder darauf herum, wie wichtig eine ballaststoffreiche Ernährung und regelmäßiger Verzehr von Probiotika sind. Aber auch Analsex kann ein primärer Auslöser für eine Analfissur sein.
  2. Aufgrund bestimmter Erkrankungen kann die Haut im Analbereich an natürlicher Elastizität verlieren und verdicken – so entstehen sekundäre Fissuren. Denn durch die geschwächte Haut reichen bereits geringe Einflüsse wie ein zu harter Stuhl aus und die Haut reißt ein. Ungünstige Bedingungen durch Krankheiten erschweren zudem meist eine schnelle Abheilung. Zu den Erkrankungen, in deren Folge eine Analfissur entstehen kann, gehören beispielsweise Morbus Crohn, ein entzündeter Enddarmbereich (=Kryptitis) oder eine erhöhte Schließmuskelspannung. Zudem können verschiedene Medikamente – beispielsweise mit den Wirkstoffen Ergotamin oder Nicorandil – sowie Chemotherapeutika eine Analfissur begünstigen. Nicht zuletzt können auch krebsartige Hautveränderungen am After sekundäre Ursache einer Analfissur sein.

Ist meine Analfissur akut oder chronisch?

Die Frage, ob eine Analfissur akut oder chronisch ist, ist relativ leicht zu beantworten: Eine Analfissur ist akut, wenn sie plötzlich entsteht und innerhalb weniger Wochen wieder verschwindet.

Eine chronische Analfissur wird vom Proktologen dann diagnostiziert, wenn die Schmerzen länger als 6 Wochen bestehen und sich zudem weitere typische Zeichen zeigen. Dazu gehören verschiedene Gewebsveränderungen, wie beispielsweise sichtbares Narbengewebe und eine Hautfalte, die sich in der Verlängerung der Fissur gebildet hat. Bei chronischen Fissuren sind auch häufig kleine Gewebsvermehrungen (Polypen) am inneren Ende der Analfissur zu finden.

Wie Proktologen bei einer Analfissur vorgehen

Für Proktologen ist die Unterscheidung in Sachen „Analfissur akut oder chronisch“ wichtig für die Therapie. So ist immer wieder zu lesen, dass eine akute Fissur mithilfe von sogenannter konservativer Behandlung gut in den Griff zu bekommen ist. Damit sind sämtliche nicht-chirurgischen Therapien gemeint wie Salben, Tampons, Analdehner und ähnliches. Auch stuhlregulierende Maßnahmen werden als hilfreich angesehen – das habe ich ja oben schon erwähnt in Sachen Ballaststoffe & Co.

Bei einer chronischen Analfissur gibt es laut Schulmedizin kaum eine andere Lösung als die Operation. Dabei werden verschiedene Maßnahmen genannt, die wir hier aber nur kurz aufzählen möchten:

  • Interne Schließmuskeldurchtrennung: Empfohlen wird eine sehr sparsame Durchtrennung des Schließmuskels von lediglich 5 Millimetern. Allgemein wird eher davon abgeraten, weil eine Inkontinenz in bis zu 30 % der Fälle auftreten kann.
  • Fissurreinigung: Dabei werden die Fissurränder ausgeschnitten, damit eine Wunde entsteht, die nach außen gerichtet ist. Das sich dabei bildende „Drainage-Dreieck“ soll das Wundsekret nach außen ablaufen lassen.
  • Hautlappen: In dem Fall wird ein Hautlappen in der Analregion über die Wunde gedeckt. Oftmals geschieht dies, wenn die Fissurreinigung keinen Erfolg gebracht hat.

Nach einer OP kann es wieder zu einer Analfissur kommen. Grund dafür kann ein zu harter Stuhlgang sein, weshalb eine stuhlregulierende Ernährung enorm wichtig ist. Auch eine schlechte Durchblutung kann die Analschleimhaut wieder einreißen lassen – beispielsweise bei Rauchern. Ebenso kann eine nicht korrekt ausgeführte OP eine erneute Analfissur begünstigen.

Pflege und Schutz für Analfissur akut und chronisch

Egal, ob deine Analfissur akut oder chronisch ist. Eine gute Pflege und Hygiene sowie ein Schutz der Wunde vor mechanischen Einflüssen sowie vor Bakterien & Co. begünstigt die Heilung und verringert die Beschwerden. Verwende bitte nur sehr milde Mittel, um die Analfissur zu pflegen wie beispielsweise natürliche Pflanzenöle oder spezielle Intimseifen.

Beim Toilettengang solltest du ebenfalls bestimmte Verhaltensweisen beachten, um die Wunde so gut es geht zu schonen und dir unnötige Schmerzen zu ersparen.